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Rückblick auf den 4. Internationalen Kongress der Gesellschaft für Analytische Philosophie “Argument & Analyse”in Bielefeld vom 26.-29. September 2000Die 1990 in Berlin gegründete Gesellschaft für Analytische Philosophie (GAP) gehört mit rund 600 Mitgliedern zu den größten philosophischen Gesellschaften Europas. Alle drei Jahre richtet sie einen international beachteten Kongress aus, auf dem sich analytisch orientierte Philosophinnen und Philosophen austauschen. Unter dem Titel “Argument und Analyse” veranstaltete die GAP im September dieses Jahres in Bielefeld ihren vierten internationalen Kongress. Für die allgemeine Organisation zeichneten der Vorstand unter seinem Präsidenten Carlos Ulises Moulines und dem Geschäftsführer Karl-Georg Niebergall verantwortlich; die örtliche Organisation lag in den Händen von Ansgar Beckermann und Martin Carrier sowie der Kongressassistentin Kerstin Bosenius. Die einzelnen Sektionen wurden wie bisher von den thematisch zuständigen Vorstandsmitgliedern organisiert und geleitet: Carlos Ulises Moulines/Karl-Georg Niebergall (Logik), Christiane Schildknecht (Erkenntnistheorie und Ästhetik), Alex Burri/Andreas Kemmerling (Sprachphilosophie), Julian Nida-Rümelin (Handlungs- und Entscheidungstheorie, Ethik sowie Politische, Rechts- und Sozialphilosophie), Wolfgang Künne (Metaphysik und Religionsphilosophie), Thomas Bartelborth (Wissenschaftstheorie), Andreas Kemmerling/Martine Nida-Rümelin (Philosophie des Geistes), Andreas Kemmerling/Wolfgang Künne (Geschichte der Philosophie). Zusätzlich zu den Sektionen fanden drei Workshops statt: der Workshop “Communication and Understanding” organisiert von Georg Meggle; der Workshop “Philosophy of Mathematics” geleitet von Bernd Buldt, Volker Halbach und Reinhard Kahle; sowie der Workshop “The Legacy of the Lvov-Warsaw School”, für den Heinrich Wansing verantwortlich zeichnete. Mit über 300 Teilnehmern und gut 180 Vorträgen in den 12 Sektionen bot die Tagung ein lebhaftes und abwechslungsreiches Bild der analytischen Philosophie im deutschen Sprachraum. Die Quantenelektrodynamik wurde ebenso diskutiert wie die Existenz Gottes oder die Frage, ob wir uns selbst täuschen können. Beeindruckend war die breite Präsenz der Nachwuchswissenschaftler. Die Organisation ließ genug Zeit für einen intensiven Gedankenaustausch, da nach den jeweils 30minütigen Vorträgen für 20 Minuten Gelegenheit zur Diskussion bestand. Auf Einladung der GAP trugen im Rahmen der Sektionen auch eine Reihe international renommierter Philosophinnen und Philosophen vor. Für diese Vorträge konnten Arthur W. Collins, José Diez, Fred Dretske, Catherine Elgin, Manuel Garcia-Carpintero, Pierre Jacob, Jonathan Lowe, Edward McClennen, Peter Railton, Stephen Schiffer und Richard Swinburne gewonnen werden. Neben den Vorträgen in den Sektionen und Workshops stießen die sechs Hauptvorträge auf ein besonders reges Interesse. Ein erster Höhepunkt war der Eröffnungsvortrag von Günther Patzig, der sich in einem leidenschaftlichen Plädoyer für eine umfassende Denk- und Redefreiheit in allen philosophischen Fragen einsetzte. Auch das heftig umstrittene Thema der Sterbehilfe dürfe keine Ausnahme bilden. Insbesondere gehe es nicht an, dass Philosophinnen und Philosophen, die sich mit wohl erwogenen Gründen für eine aktive Sterbehilfe aussprächen, geächtet und boykottiert würden. Denn Ächtung und Boykott beruhten in diesen Fällen entweder auf selbst nicht rational begründeten weltanschaulichen Einstellungen oder auf Argumenten, deren Triftigkeit ihrerseits mehr als zweifelhaft sei. Auch der Vortrag des GAP-Gründungspräsidenten und langjährigen Vorsitzenden Georg Meggle über die lückenhafte Moral der NATO im Krieg gegen Jugoslawien wurde mit großer Spannung erwartet. Allerdings war das Ergebnis weniger überraschend, als manche vermutet hatten. Meggle sprach sich zwar dezidiert dafür aus, dass Kriegsinterventionen zum Schutz von Menschenrechten auch über Staatsgrenzen hinweg in bestimmten Fällen durch das Nothilferecht legitimiert sein können. Auf der anderen Seite stellte er aber fest, dass im Falle der Kosovo-Intervention wesentliche Bedingungen für die moralische Rechtfertigung von Nothilfe nicht erfüllt gewesen seien. Insbesondere seien die eingesetzten Mittel zur Erreichung des Ziels der Intervention – der Beendigung der Menschenrechtsverletzungen – nicht geeignet gewesen. In den weiteren Hauptvorträgen sprachen Joelle Proust (Paris) zum Thema “Are Empirical Arguments Acceptable in Philosophical Analyses of Mind?”, Jay F. Rosenberg (Chapel Hill, NC, USA) über “Was epistemische Externalisten vergessen” und Johan van Benthem (Amsterdam) über “Dialogue and Interaction in Logical Games”. Den Kongress beschloss Christopher Peacocke (Oxford) mit einem Vortrag zum Thema “Moralischer Rationalismus”. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung wurde der von der GAP eingerichtete und von Frau Margret Stegmüller finanziell ausgestattete Wolfgang-Stegmüller-Preis für folgende Arbeiten verliehen: Ontology and Objectivity von Thomas Hofweber; Wörter, Dinge, Stellvertreter. Quine, Davidson und Putnam zur Unbestimmtheit der Referenz von Christian Nimtz; Ludwig Wittgenstein, Bemerkung über die Grundlagen der Mathematik II, §§1-22 – eine kritische Interpretation von Christine Redecker; sowie Kombinierte Zeit- und Modallogik: Vollständigkeitsresultate für prädikatenlogische Sprachen von Stefan Wölfl. Der Preis war mit je 5000 DM dotiert. Auf der Mitgliederversammlung, die im Rahmen des Kongresses stattfand, wurde auch der neue Vorstand der GAP bestimmt. Zum Präsidenten der Gesellschaft wurde mit großer Mehrheit der Bielefelder Ansgar Beckermann gewählt (Vizepräsidenten: Ulrich Gähde, Wolfgang Künne, Dietmar von der Pfordten, Ulla Wessels; Schatzmeister: Martin Carrier; Geschäftsführer: Christian Nimtz). Bielefeld, den 19. November 2000 Ansgar Beckermann, Christian Nimtz |